Meisterstücke: Maßschuhe

Das Maß aller Dinge, was Schuhe betrifft.

Die beste Hülle, die wir unseren Füßen geben, können ist ein Maßschuh.
Individuell gefertigt, dem Fuß angepasst - ein Meisterstück!


Geschichtlicher Exkurs:

Zu früherer Zeit, als es noch keine industrielle Fertigung von Schuhen gab und somit der Schuh verhältnismäßig teuer von Hand gefertigt wurde, konnte man schon an den Schuhen erkennen, wer wohlhabend war.
Der einfache Bauer lief barfuss oder in Holzschuhen, Bürger hatten holzgenagelte Arbeitsstiefel, Kaufleute leisteten sich genähtes Schuhwerk und bei Hofe trug man reich verzierte, kunstvoll gearbeitete Schuhe.

 

Der Maßschuh heute:

Wenn man die Qualität eines Schuhes bestimmen will, so achte man darauf, dass der Schuh komplett aus Leder gefertigt ist. Genauso wie vor Hunderten von Jahren ist Leder das am besten geeignete Material für Schuhe.
Der Maßschuh beginnt beim Maßnehmen. Genauestens müssen die Länge und  Breite des Fußes vermessen werden, damit der Schuh hinterher genau passt.

Diese Maße werden dann auf den Holzleisten, über den der Schuh gemacht wird, übertragen.
Der Leistenboden wird mit einer Lederschicht bedeckt, der Brandsohle. Die Brandsohle wird je nach Art des zu erstellenden Schuhwerkes bearbeitet.

Über den Leisten und die Brandsohle wird nun das Obermaterial, im Fachbegriff  "Schaft" genannt, gespannt. Im Spitzen- und Fersenbereich werden zur Stabilisierung Lederstücke, oder wie heute verbreiteter Ersatzstoffe, eingearbeitet.

 

Rahmengenäht

Bei rahmengenähten Schuhen, übrigens die Qualitativ hochwertigste Maßschuhform, wird der Schaft und ein Rahmen durch eine Naht mit der Brandsohle verbunden. Bei zwie- oder trigenähten Schuhen, meistens Trachten- oder Bergschuhe, ist dieser Arbeitsgang fast der gleiche, nur die Rahmenform unterscheidet sie von rahmengenähtem Schuhwerk.

 

Holzgenagelt
Bei holzgenagelten Schuhen wird der Schaft durch eine Naht mit der Brandsohle verbunden und anschließend ein Rahmen mit Holznägeln befestigt.

 

Geklebt

Bei geklebten Schuhen wird der Schaft und anschließend der Rahmen einfach auf die Brandsohle geklebt.
Der Schuhboden wird nun durch Kork oder ein anderes "Ausballungsmaterial" eingeebnet, und im Gelenk eine zusätzliche Versteifung eingearbeitet.

 

Weitere Verarbeitung:

Die nun folgende Besohlung kann durch Aufnähen (bei rahmengenähter und zwi- bzw. trigenähter Schuh), mit Holznägeln oder durch Verklebung erfolgen.
Nun wird noch der Absatz, am besten mit Lederflecken, aufgebaut und der ganze Schuhboden geschliffen, eingefärbt und auf Hochglanz poliert.

Nachdem der Leisten entfernt ist, wird die Brandsohle noch mit Futterleder verkleidet.
So, nun ist der Schuh fertig zum Reinschlüpfen und sich jahrelang darin wohlfühlen.
Er ist zwar teuerer als ein Fabrikschuh, aber dennoch jeden Euro wert!