Wissenswertes über Leder

Leder ist der  am vielseitigsten einsetzbare Werkstoff der im Handwerk Verwendung findet.
 
Kaum ein Naturprodukt  lässt sich bei gleichem Grundstoff so vielseitigen Eigenschaften zuführen. Das einzige was unserem Leder annähernd gleich zu setzen wäre, ist ebenfalls ein Produkt aus der Natur, nämlich Holz. 
 
Wenn man einem Laien Leder bewusst näher bringen will, eignen sich dazu sehr gut die sogenannten Exoten. Ob Strauß, Krokodil, Eidechse, Känguru, Schlange oder ähnlich skurril anmutendes.  

 

 

Was allerdings nicht vergessen werden sollte, ist die Tatsache, dass wir natürlich auf unsere Klassiker zurück greifen. Da wären die Rind – und Kalbsleder, die Schweinsleder und Lamm- oder Ziegenleder.

 

 

Schwimmende Ressourcen

Aufgrund der Tatsache, dass alte Ressourcen mit ihrem damit verbutl_files/innung_design/sib-betriebsbilder/fisch-leder.jpgndenen Wissen über die Herstellung und Verarbeitung wieder Verwendung finden, spielt das Fischleder eine immer größer werdende Rolle in der Lederverarbeitung.
Hier sind das Lachsleder aus chilenischen Züchtungen sowie der Steinbeisser als Fangfisch aus dem Nordmeer zwar noch die Exoten, doch finden diese Materialien immer mehr Freunde.

 

 

Selbstverständlich stammen die von den Schuhmachern verwendeten Häute der von mir eben genannten Tiere aus Zuchtfarmen oder sie sind wie der Seewolf Nebenprodukte. Wer heutzutage solche Leder verarbeitet bzw. kauft, kann von dem Händler ein Zertifikat verlangen, welches die Herkunft als auch die Inhaltsstoffe der Gerbung der Häute aufzeigt.
 
 


Leder kann (fast) alles

Ob als Futterleder, Sohlenleder, Kappenleder, Oberleder mit seinen verschiedensten Herstellungsarten, Strukturen, Stärken und Eigenschaften findet es bei uns Verwendung. Je nach Herstellungsart und Rasse bzw. Geschlecht kann das Leder verarbeitet und teilweise im gleichen Werkstück aufgrund unterschiedlicher Eigenschaften eingesetzt werden.

 

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 Leder kann man auf eine althergebrachte Art und Weise fertigen, der Grubengerbung oder auf eine den finanziellen Gegebenheiten der Verbraucher  angepassten  Art und Weise, der Chrom- oder Mischgerbung herstellen.
 
Wer glaubt, damit seien die verschiedenen Methoden der Gerbung  erklärt, der irrt sich gewaltig. Eines haben diese  Arten jedoch gemein:
Durch ihre Anwendung wird das in der Haut eingeschlossene Eiweiß durch Stoffe ersetzt, welche den Fäulnisprozess stoppen. 

Einfach gesagt: Leder ist  letzten Endes nichts anderes als haltbargemachte Haut, welche im trockenen Zustand nicht bricht und im nassen nicht fault. Verstanden? Soweit so gut.

 

 

Augen auf beim Leder-Kauf!


Aus  verschiedensten Medienberichten dürfte dem einen oder anderen bekannt sein, mit welchen  dubiosen, ja manchmal auffällig kriminellen Methoden Leder in so manchen asiatischen oder nordafrikanischen Gerbereien hergestellt wird.

Kinderarbeit sowie ökologisch desaströse Zustände sind nicht unbekannt. Über das Thema Arbeitssicherheit dürften so manchem Angestellten unserer Berufsgenossenschaften die Haare zu Berge stehen. 
 
Aber eines muss auch gesagt sein. Nicht alle Betriebe arbeiten mit solchen Methoden. Der überwiegende Teil ist daran interessiert, dass man dem Lederhändler bei uns in Europa ein inhaltlich wie auch moralisch einwandfreies Produkt  liefert. Es hat sich dahingehend in den letzten Jahren sehr viel getan. Das liegt nicht zuletzt auch an dem veränderten Bewusstsein der Verbraucher. 

 

 

Die verschiedenen Gerbarten

Die Methode, welche in unserem Beruf am meisten Beachtung findet, ist die Grubengerbung mit Eichen – und Fichtenrinde sowie als weiteren Zusatz  die Mimosarinde oder die Valonea. Sie erzeugen ein Produkt, welches es in dieser Qualitätsstufe jedem nur erdenklichen, sogenannten „Ersatzmaterial“,  standhalten kann. 
Das von Schuhmacher und Gerbern als „Altgerber“ bezeichnete Endprodukt  trotzt allen modernen Methoden der Kopie und das schon seit etlichen Jahrhunderten in fast unverändert hergestellter Form.


Sie werden als Brandsohlen-, Kappen-, und Sohlen- bzw. Zwischensohlenleder verarbeitet. Hochpreisig, aber nach wie vor unschlagbar,  wundert es viele  dass diese noch nicht kopiert und als Plagiate verkauft werden.
Schaut man sich allerdings die Herstellung mit dem  benötigten Wissen, der Erfahrung und dem verbundenen  Zeitaufwand an, verwundert es weniger.  Je nach Stärke der verarbeiteten Haut  dauert es bis zu 18 Monate, dass so eine Haut zu Leder wird.
 

 

Bedenkt man diesen Aufwand, kann man verstehen, warum hochwertige Schuhe einen höheren Preis haben. Kollegen, welche so ein Leder verarbeiten, zahlen zwar durchaus berechtigte aber dennoch höhere Preise für solche „Altgerber“.  Das mit solchen Ledern erzeugte Endprodukt spricht jedoch für sich.


Führend für die Herstellung von dem Altgerberleder in unserem Land ist die dem Altgerberverband angehörende Firma  Rendenbach in Trier. Auf deren Internetseite www.lederfabrik-rendenbach.de , welche man freundlicher Weise bereit war uns zur Verfügung zu stellen, kann man sich die Herstellung dieses einzigartigen Produktes ansehen.
Allerdings gibt es auch Methoden, ein Leder in kürzerer Zeit zu produzieren. Diese haben dann aber nicht so eine Qualität wie der Altgerber. 

Das soll nicht heißen, dass diese Produkte eine schlechte Warengruppe darstellen. Es sind Produkte welche sich im Endpreis dem finanziellen Anspruch und somit auch der Zufriedenheit  und dem damit verbundenen Kaufverhalten des Konsumenten anpassen. Es wird durch den Gerber dem Schuhmacher und den Herstellern in der Industrie dadurch die Möglichkeit gegeben Produkte in mehreren Preissegmenten anzubieten.

 

 

Schuh-Oberleder

Die Herstellung von Schuh-Oberleder wird zeitlich längst nicht so aufwendig gestaltet wie die der Grubengerbung. Ständige Weiterentwicklungen in diesem Sektor haben dazu geführt, dass die Produktionsdauer und die damit verbundenen Kosten um ein vielfaches gesenkt werden konnten.

Gerbextrakte oder synthetisch  hergestellte Gerbmittel lassen sich viel genauer dosieren und ermöglichen so eine bessere Handhabung größerer Mengen. Die verbesserte Qualität und Dosierfähigkeit hat auch zu einem wesentlich verbesserten Endprodukt geführt. Was früher in kleinen Becken stattgefunden hat, wird heut in großen Drehtrommeln mit  mehreren  Metern Durchmesser durchgeführt. So produzierte Mengen ermöglichen es den Gerbern natürlich anders zu kalkulieren.


Ein Nebeneffekt dieser Gerbart ist der, dass die Gerbereien so schneller den ständig wechselnden Farben und Designs der Modebranche folgen können. In der Gesamtheit stellen das Wissen und die Qualität der Arbeit unserer Gerbereien einen Standard dar, welcher ökologisch wie ökonomisch den Zeitgeist trifft.


Um in so eine Produktion eines Oberlederherstellers mal hinein zu sehen, empfiehlt sich die Seite von Leder Heinen. Unter www.heinen-leather.de steht einem alles bereit. Selbstverständlich steht auch dieser Betrieb stellvertretend für andere Gerbereien in Deutschland.


Die  in dem Beitrag aufgezeigten Internetseiten wurden mit  der ausdrücklichen Genehmigung der Firma Rendenbach in Trier sowie der Firma Leder Heinen aus  Wegberg ausschließlich  zur  reinen Unterstützung dieses Beitrages freigegeben