Wissenswertes über Leisten

Was ist eigentlich ein Leisten und woraus wird der hergestellt?
Der Leisten ist die Form des Schuhes und bestimmt sein Volumen sowie sein Aussehen.


Der Leisten im klassischen Sinne besteht aus Holz, dabei finden in der Holz-Schuh-Produktion vor allem die gängigsten Arten Erlen – und Pappelholz Verwendung. Es ist besonders Abriebfest und leicht.


Der aus diesem Holz angefertigte Leisten hat für Schuhmacher einen kaum zu überbietenden Vorteil: Preisgünstig, leicht zu bearbeiten und von der Nachhaltigkeit, sprich Ökologie her, unschlagbar.


Für die Industrie oder für Handwerksbetriebe mit höherem Produktionsaufkommen sind Leisten aus Kunststoff wesentlich effizienter. Doch ob Holz oder Kunststoff, eines bleibt sicher:


Der Leisten und das Schuhmacher-Handwerk sind untrennbar miteinander verbunden. Ohne Leisten kein Schuh. Das gilt für Ferragamo genauso wie für kleine, mittlere und Großbetriebe.

 

 

 

Was ist ein Leisten und was ist so entscheidend an ihm?

Grundsätzlich ist es so, dass der Leisten im eigentlichen Sinne der Form des Fußes entsprechen soll. Dieses kann, als bestes Beispiel, der Maßleisten. Er entspricht in erster Linie den Wünschen der Kunden nach einer entsprechenden Grundform. Dieses kann ein klassischer Wiener Leisten sein, ein Cowboy- oder Westernstiefel, oder vielleicht auch der Budapester Leisten. Dieses sind jetzt nur 3 von immens vielen Beispielen und Möglichkeiten. 

der leisten

Hat sich dann ein Kunde/in für eine Form entschieden, werden die Maße des Kundenfußes auf den Leisten übertragen. Hierfür stehen diverse Möglichkeiten und Materialien zur Verfügung.
Von Holz oder Kork über Leder bis hin zu Mischmaterialien welche die Eigenschaften der verschiedenen Grundstoffe vereinen. Als am häufigsten verwendetes Mischmaterial steht hier der Gummi- oder Leistenkork bereit. Flexibilität und seine Festigkeit machen ihn für viele Kolleginnen und Kollegen zum Favoriten.

Die Herstellung eines solchen Leistens kann auf verschieden Arten erfolgen. Die althergebrachte Art sich den Leisten komplett selber aus einem Rohling zu schnitzen, schleifen und raspeln ist sicher die handwerklich am herausforderndste die es gibt. Doch leider gilt bei uns der gleiche Leitsatz wie bei anderen auch: Zeit ist Geld.

 

 

Zeit ist Geld - auch beim Leisten

Für unsere Leisten gibt zwar keine große aber dafür umso feinere Industrie. In diesem Bereich nehmen deutsche Firmen eine Spitzenposition ein. CNC- gefräste Leisten oder Füße welche mit einem 3-D Scanner abgetastet werden sind kein Science-Fiction-Gerede, sondern bieten berufliche Möglichkeiten wie nie zuvor. Gerade in diesem Bereich hat die Entwicklung einen rasanten Technologiefortschritt gemacht. Ständig wechselnde Ansprüche durch den Endverbraucher stellen höchste Ansprüche an Flexibilität und Wissen. 


Wir als Schuhmacher stellen eine sogenannte Trittspur her, auf der wir nicht nur die Maße übertragen, sondern auch evtl. Probleme an den Füßen erkennen können. Wir sind so in der Lage, dem Träger oder Trägerin der Schuhe einen bis dahin vielleicht unbekannten Gehkomfort zu ermöglichen.

Haben wir die Maße (Ballenmaß, 2 Mittelfußmaße, Fersenspannmaß) auf das Trittspurblatt übertragen, geht diese dann per Brief auf die Reise zum Leistenhersteller, wobei auch sie hier den technischen Service bieten und die Datenverarbeitung per Email anbieten. Dieser fertigt dann mit Hilfe von CNC-Fräsen eine fast exakte Kopie der Kundenfüße mit der entsprechenden Form (Westernstiefel, Budapester, etc.) an. Die endgültige Passform wird dann durch den Kollegen oder die Kollegin in der Schuhmacherei bestimmt. Denn nur die wissen von den evtl. Problemen oder den speziellen Wünschen des Kunden.

Hört sich bis hier hin doch gar nicht so schwierig an. Ist es im Grunde auch nicht. Doch wer so ein Paar Leisten herstellt, benötigt Konzentration und Erfahrung. Das bekommt man nicht im Handumdrehen oder auf Wochenendkursen beigebracht. Wer an der verkehrten Stelle schleift oder aufbaut, erzeugt so Druckstellen oder Freiräume welche ein angenehmes Tragen der Schuhe verhindern.

Hier stecken die Details im Verborgenen. Doch so ein Paar Leisten zu fertigen ist nicht nur eine anspruchsvolle und sondern auch sehr interessante Arbeit. Diese Maße werden, je nach Anfertigungsmethode, auf den Stiefelleisten übertragen. Natürlich werden die Maße des Fußes ebenfalls auf den Leisten übertragen.


Zu den Messpunkten am Fuß . Sie werden an den unten aufgeführten Linien  mit dem Maßband des Schuhmachers gemessen. Dabei legt er das Maßband um den Fuß an den jeweilig angezeigten Stellen. In Verbindung mit dem Formenwunsch des Kunden entsteht so der individuellste aller Leisten: Der Maßleisten

 

 

Der Maßleisten

Doch der Maßleisten ist nicht der einzige mit denen ein Schuhmacher heut zu Tage arbeitet. Immer beliebter wird der so genannte Konfektionsleisten. Vom Prinzip der Herstellung her, dem Maßleisten gleich. Er hat nur einen wesentlichen Unterschied: Seine Gesamtlänge sowie sein Ballenweite bestimmt der Leistenhersteller mit seinem Wissen und seinem Formenverständnis. Auf, wie beim Maßschuh üblich, anatomische Genauigkeit nimmt er keine Rücksicht. Wird das Ergebnis dann den Wünschen und Vorstellungen sowie den gerade herrschenden Marktansprüchen gerecht, geht diese Form in Produktion. Großabnehmer wie die Industrie, haben in diesem Bereich ständigen Bedarf aufgrund der immer wieder wechselnden Mode.
 


Also hat der anfangs zitierte Spruch “Schuster bleib bei denen Leisten“ auch seine Richtigkeit. Ohne ihn können wir keinen Schuh bauen. Es mögen sich, Gott sei Dank, die Herstellungsmethoden geändert haben, doch das Prinzip nicht. Auf Grund der schnelllebigen Zeit mit ihren Ansprüchen, ist dieser Bereich ein nicht zu unterschätzender Faktor für unsere Zukunft. Wer in unserem Beruf tätig ist und sich den Anforderungen des Marktes mit seinem Wissen und der Bereitschaft dafür dieses auch weiter zu entwickeln bereit ist, hat eine Chance in verantwortungsvoller und somit mit entscheidender Position zu arbeiten. 


Es wird einem zwar nichts geschenkt, aber auch ganz bestimmt nicht unmöglich gemacht. Bisher hat in unserem Beruf noch jeder, der etwas aus sich machen wollte, die Chance dazu bekommen. Ein wenig Geduld ist allerdings doch von Nöten.


Die Inhalte in diesem Beitrag und die aufgezeigte Internetseite wurden mit  der ausdrücklichen Genehmigung der Firma Spenle, Schuhleistenfabrik aus Ellrich am Harz, ausschließlich  zur  reinen Unterstützung dieses Beitrages freigegeben.